Sonntag, 11. Mai 2014

Bautzen - Demitz / Thumitz (20 Km)



Nach einem wiederum ausgezeichneten Frühstück verließ ich heute Morgen mein überaus nettes Hotel und verabschiedete mich vom schönen Bautzen.
Es war recht windig und über den Himmel jagten viele weiße Wolken. Dafür war die Luft sehr klar und man konnte weit über das Land schauen. 
Zuerst führte der Weg lang an der Spree entlang, durch ein romantisches Tal. Ein neugieriges Eichhörnchen neckte mich immer wieder.


Danach lief ich lange Zeit durch Felder und an kleinen Weilern vorbei.


Da hier immer noch sorbisches Gebiet ist, sind die Ortsschilder zweisprachig beschriftet.


Die Sorben sind die einzige deutsche Minderheit mit eigener Sprache, eigener Kultur und eigenen Bräuchen, eigenen Schulen und auch einigen Sonderrechten. So müssen zum Beispiel sorbische Frauen in Tracht auf dem Motorrad keinen Helm aufsetzen.
In Preske fiel mir ein schöner Garten auf, in dem ein Mann arbeitete. Er sprach mich an und fragte, ob ich eine richtige Pilgerin sei. Da fiel mir so schnell nichts dazu ein und ich antwortete, dass ich so eine Mischung aus Wanderin und Pilgerin sei, so viele Sünden müsse ich nicht abbüßen. Da lachte er und ich bekam noch eine Geschichtsstunde: Ich befände mich direkt an der Grenze zwischen der Oberlausitz und dem Bistum Meißen auf dem Frankenweg. Ganz stolz war ich, dass ich wusste, dass vor mir bereits Napoleon hier lang gezogen war.
Er bat mich, einen kurzen Moment zu warten, er wolle mir etwas holen, sprang ins Haus und kam mit einer goldfarbenen Münze wieder heraus, die einen sogenannten "Pumphut" zeigte. Er schenkte mir die Münze, erklärte, wenn ich sie in meinen Geldbeutel steckte, würde mir nie mehr das Geld ausgehen und wenn ich mal wieder mit mehr Leuten in der Gegend sei, würde er uns kostenlos durch Bautzen führen, ich solle ihn nur anrufen, Telefonnummer fände ich auf seiner Website Pumphut 2004.
Damit entließ er mich, nicht ohne mir aufzutragen, die Kirche von Göda anzuschauen.


Sehr neugierig suchte ich natürlich gleich im Internet und fand heraus, dass Pumphut der Spitzname eines Kobolds war bzw. eines Müllergehilfen, der zaubern konnte und böse und geizige Menschen bestrafte und der so einen hohen Hut mit breiter Krempe trug.
Gleichzeitig benutzte ihn aber auch der Mann, den ich gerade getroffen hatte für Themenführungen in Bautzen. Außerdem ist er ein hier in der Gegend recht bekannter Zauberer. Jedenfalls war das wieder eine sehr nette und lustige Begegnung.


Die Kirche in Göda schaute ich mir natürlich an, ruhte ein wenig meine Füße aus und stellte fest, dass ich Hunger hatte.
Nur gut, dass gleich um die Ecke das Gasthaus zum Hirsch lag, wo es sehr leckere Bratkartoffeln mit Spiegeleiern, gewürzt mit einem netten Gespräch mit der sympathischen Gastwirtin gab.
So erfuhr ich, dass demnächst der MDR hier im Lokal dreht. Die Wirtin hat mir versprochen, mich zu informieren, wann dieser Film läuft.


Jetzt sollte mir der weitere Weg nicht mehr schwer fallen. Der Wind pustete inzwischen immer kräftiger, manchmal musste ich mich richtig gegen ihn stemmen.


Auch die Wolken sahen zunehmend bedrohlicher aus. Der erste Regenguss erwischte mich am Waldrand, den konnte ich gut aussitzen auf meinem eingepackten Rucksack mit Regenschirm. Als ich dann jedoch weitergehen wollte, weil der Regen nachließ und es plötzlich donnerte und blitzte fand ich das gar nicht mehr so lustig! Da musste sich in Windeseile ein Gewitter zusammengebraut haben, denn noch vor 20 Minuten war nichts davon zu sehen gewesen! Waldrand ist keine gute Idee bei Gewitter, also sprang ich schnell in den Wald und suchte mir einen Baum, der recht stabil aussah, denn inzwischen nahm der Wind auch ordentlich zu. 
Ich kämpfte noch mit meinem Regenumhang (kein leichtes Unterfangen bei starkem Wind) als es auch schon heftig anfing zu regnen und bald auch zu hageln. Nach 10 Minuten war der ganze Spuk wieder vorbei.


Ich beeilte mich dennoch, meine Unterkunft zu erreichen, weil ich dem Frieden nicht so recht traute - und das war auch gut so, kurze Zeit später wurde es scheinbar Nacht und kurz darauf goss es wie aus Kübeln. Das durfte ich aber bereits aus meinem Zimmer beobachten!





Samstag, 10. Mai 2014

Bautzen




Unter einem strahlend blauen Himmel bin ich heute aufgewacht. Das Frühstück durfte ich im Wintergarten des Hotels mit Blick in den liebevoll gestalteten Garten einnehmen, sehr freundlich betreut von den Wirtsleuten. Ein Hotel, das wirklich zu empfehlen ist!
Gleich anschließend machte ich mich auf den Weg zum Reichenturm, bei dem Wetter musste die Aussicht fantastisch sein. Und so war es auch! Im Osten reichte die Sicht bis zur Landskron, in den anderen Richtungen kenne ich mich (noch) nicht so recht aus. Die Kasse zum Turm befand sich kurz vor dem Ausstieg. Ganz schön schlau, wer so weit hoch gestiegen ist, klettert nicht mehr runter.


Anschließend nahm ich an der Stadtführung teil und traf auch wieder mein Münchner Ehepaar, mit dem ich gestern übernachtet habe. Ich erfuhr, dass Bautzen 13 Türme hat und dass der  Reichenturm sich inzwischen 1,44 m zur Seite neigt und bald dem schiefen Turm von Pisa Konkurrenz macht! Besonders gut gefallen hat mir die Ruine der Nicolaikirche, in die heute Gräber integriert sind. Caspar David Friedrich lässt grüßen!


Gestärkt habe ich mich noch mit einem leckeren Kuchen auf dem Marktplatz und habe mich danach auf den Weg zum Bautzener Stausee gemacht. 


Da war ich dann leicht enttäuscht, ich habe mit Strandleben, einem Cafe oder vielleicht Tretbooten gerechnet, aber es gab absolut NICHTS außer Natur!


Da es langsam verstärkt nach Regen aussah und ich natürlich mal wieder ohne Regenausrüstung unterwegs war, beeilte ich mich, um wieder ins Hotel zu kommen.
Dort saß ich dann den Regen aus, plante meinen weiteren Weg und machte mich kurz nach sieben wieder auf den Weg in die Innenstadt.
Dazu musste ich etliche Stufen hinauf steigen, da ich an der Spree wohnte, Bautzen jedoch auf einem Hochplateau liegt.
Ich wollte ich im sorbischen Restaurant Wjelbik essen, das mir bereits gestern aufgefallen war.
Zum Glück hatte ich reserviert, es war nicht ein Tisch mehr frei! Das Essen war allerdings wirklich fabelhaft!!


Nicht so fabelhaft war jedoch das Benehmen einiger Gäste:
Mir gegenüber saß eine französische Familie mit erwachsenem Sohn. Der hielt den Löffel in der Faust und statt ihn zum Mund zu führen, hing er den Kopf direkt über seinen Teller. Die Mutter stützte beide Ellenbogen auf den Tisch und der Vater unterhielt sich mit Zigarette im Mundwinkel (zum Glück noch aus) mit seiner Familie. Ähnlich die Sachsen neben mir: Zwar wusste niemand, was eine Sabayon ist, aber an allem gab es etwas zu mäkeln. Der Spargel war zu fest, die Suppe nicht scharf genug, das Fleisch zu wenig, die Sauce zu sahnig und überhaupt schmeckt das selbstgemachte Jägerschnitzel viel besser!
Wenn man allein daneben sitzt, gelingt es einem kaum, weg zu sehen oder zu hören und man schwankt zwischen Belustigung, Fremdschämen und Entsetzen!


Der Heimweg durch das nächtliche Bautzen war sehr romantisch und wurde sogar noch durch ein kleines Feuerwerk gekrönt!



Freitag, 9. Mai 2014

Nechern - Bautzen (16,5 km)



Nach einem gemeinsamen Frühstück einschließlich Lesung und Tischgebet und interessanten Gesprächen mit unseren Herbergswirten (4 Kinder seien hier in der Gegend üblich!) begann ein weiterer Wandertag. Als erstes besorgten wir uns ein Päckchen der hochgelobten Pilgerkekse. Sie sind wirklich sehr lecker.
Eine Konditorin fertigt hier Torten, Kuchen und eben auch die Pilgerkekse.


Das Wetter wurde immer besser, und wieder führte der Weg durch viele blühende Rapsfelder und einige kleine Wälder. 
Herr L. von meiner Unterkunft in Buchholz hatte mir übrigens erzählt, dass es in der Gegend wieder 3 Rudel Wölfe gäbe. Sonderlich erfreut war er jedoch nicht, da ihm schon Schafe gerissen wurden.


Auch neugierige Kühe gab es wieder!


In Baschütz kam ich an einer Schule vorbei, die Pause war gerade zu Ende. Da schauten aus einem Fenster lauter kleine Gesichter und ein Kind erklärte, sie seien Erstklässler und warteten auf den Musiklehrer. Wo ich denn hin wolle und woher ich käme. Als ich ihnen das erklärte kam ein erstauntes "so weit?" zurück. Inzwischen schaute bald die ganze Klasse aus dem Fenster, auch der Lehrer war dabei. Sie wünschten mir noch einen guten Tag und ich lief weiter, damit der Musikunterricht dann auch beginnen konnte.


Immer wieder fand ich dieses Zeichen auf der Straße, vermutlich gab es für jedes Neugeborene so ein Zeichen.
Bald kam Bautzen in Sicht und der Weg führte wieder lange Zeit an einer viel befahreren Straße entlang bis ins Stadtzentrum.


In Bautzen traf ich zurerst auf mein Ehepaar, das ich bisher jeden Tag getroffen habe.
Wir setzten uns eine Weile in ein Cafe auf dem Marktplatz und führten wieder sehr intensive Gespräche.


Danach ging ich zu meiner hiesigen Unterkunft: Ein kleines, ruhiges Hotel, direkt an der Spree gelegen.
Kaum war ich in meinem Zimmer, gab ich dem unwiderstehlichen Drang nach, auf mein Bett niederzusinken.
Den nächsten Regenguß habe ich verschlafen stellte ich am Abend fest.
Auch in Bautzen gibt es viele sehr schön renovierte Häuser, aber vor allem viele Türme.
Mein Abendessen gab es im Hotel, danach noch ein wenig Handwäsche.
Und dann fiel ich sofort wieder in mein Bett!


Donnerstag, 8. Mai 2014

Buchholz - Nechern (10,7 km)


Wie versprochen bekam ich heute pünktlich um acht Uhr mein Frühstück gebracht, bestehend aus selbstgebackenem, sehr leckerem Brot, selbstgemachter Marmelade und Honig und einer riesigen Schüssel Obstsalat, garniert mit einem sehr netten Gespräch. Am liebsten hätte mich Frau L. noch eine Weile da behalten.
Trotzdem habe ich diese sehr nette Unterkunft gegen zehn Uhr verlassen. 


Heute hatte ich nur einen recht kurzen Weg vor mir, da konnte ich es gemütlich angehen lassen. Regen war auch keiner angekündigt.
Schon nach wenigen Metern traf ich auf ein Pilgerpaar, das das gleiche Ziel hatte, wie ich und es stellte sich heraus, dass wir eine Wohnung miteinander teilen würden. Da ich um einiges schneller war, verlor ich sie bald wieder aus den Augen.
Bald darauf zweigte der Weg in ein wildromantisches Tal neben einem Bach ab. Durch mich gestört flog dort ein Eisvogel auf. Total fasziniert von diesem schönen und seltenen Vogel blieb ich noch eine Weile stehen, er zeigte sich aber kein zweites Mal.


Beim Weiterlaufen entdeckte ich erstaunt, dass die Wege alle  geharkt waren, mitten im Wald!


Eine kurze Zeit später entdeckte ich, dass tatsächlich einige Menschen auf diesem Waldweg standen und harkten - schon sehr ungewöhnlich.
Im nächsten Ort kaufte ich Proviant ein, falls es wieder keine ordentliche Gaststätte in der Nähe geben würde.
Kurze Zeit später rief es hinter mir laut: "Hallo". Mein Pilgerpaar, das ich bisher jeden Tag irgendwann getroffen hatte, lief winkend hinter mir her.
Gemeinsam liefen wir wieder durch einen lichten Wald am Bach entlang und hatten uns viel zu erzählen.


Auch einen dritten Pilger hatten wir bald eingesammelt, der immer ein Sück vor oder nach uns lief.
Besonders gut gefallen hat mir der Ort Gröditz, leider gab es aber auch hier keine Gaststätte!


Also liefen wir noch gemeinsam bis kurz vor Nechern weiter und trennten uns dort, weil ich mein Ziel beinahe erreicht hatte, sie aber noch ein Stück weiter laufen wollten.
An einem hübschen See machte ich Rast und vesperte den größten Teil meiner Vorräte in der Hoffnung, bis zum Abend noch irgend etwas Essbares zu entdecken.


Zu meiner Unterkunft war es nur noch ein Katzensprung und hier traf ich dann das Ehepaar, mit dem ich das Zimmer teilen sollte. Da ich das aber nicht besonders mag, schleifte ich meine Matratze in die Küche der kleinen Wohnung, so dass ich wieder einen Raum für mich allein hatte.
Wir unterhielten uns noch eine Weile über Schule, die Frau war Lehrerin, und Reisen, die wir unternommen hatten und auch über das Pilgern.
Gegen Abend machte ich mich dann noch auf den Weg in den nächsten Ort zu "Babu's Inn". 


Dort gab es von Pizza über Schnitzel bis zum Döner fast alles, viel, aber nicht besonders gut. Jedenfalls war ich hinterher richtig satt.
Wieder zurück ging es nach einem kurzen Plausch zeitig ins Bett, Morgen gibt es um sieben Frühstück!



Görlitz - Buchholz (etwa 28km)



Mein erster Wandertag auf dieser Fußreise! Da ich nicht gerne durch die Vororte größerer Städte laufe, wollte ich die ersten 5 Kilometer bis Ebersbach mit 
dem Bus fahren. Am Bahnhof sollte die Fahrt beginnen, doch ausgerechnet für meinen Bus fand ich keine Haltestelle! Erst ein junger Mann, den ich fragte, konnte mir weiterhelfen: Die Haltestelle war auf die gegenüberliegende Seite verlegt worden, nur habe man wohl das Haltestellenschild vergessen! 
Von Ebersbach aus fand ich meinen Weg leicht und er war hervorragend markiert, so dass ich eigentlich keine Karte gebraucht hätte.


Von weitem grüßte mich immer wieder die Landskron. 
Allerdings gefiel mir der Himmel nicht so recht, immer mehr dunkle Wolken ballten sich zusammen. Kurze Zeit später regnete es tatsächlich ganz ordentlich.
Die Gelegenheit, mein Tarp (eine Art riesiger Umhang, zur Not auch als Zelt nutzbar) einzuweihen. 
Sowohl beim Anziehen als auch auf dem Weg erwies sich das Teil als sehr praktisch, auch wenn es nicht gerade eine Zierde ist. Jedenfalls habe ich einige Pilger überholt, die damit beschäftigt waren, Regenhosen anzuziehen oder überhaupt Klamotten zu wechseln.
Ja, mindestens sechs weitere Pilger waren mit mir auf der gleichen Wegstrecke - fast schon überlaufen!


Nach einer guten halben Stunde riss die Wolkendecke auf, der Regen hörte auf und vor allem die Rapsfelder leuchteten regelrecht in der sauberen Luft.
Der Weg führte bald in ein größeres Waldstück und dort auch stetig bergauf zur Hochsteinbaude. 
Bauden waren früher Hütten für Viehhirten im Gebirge, inzwischen nennt man vor allem im Riesengebirge die Herbergen für Wanderer so.
Am Hochstein angekommen war ich zwar völlig verschwitzt (14 Kilogramm bergauf sind einfach ganz was anderes, als in der Ebene), wurde aber entschädigt durch eine bizarre Felslandschaft und ein sehr leckeres Mittagessen.


Hier traf ich dann auch erneut meine beiden Pilger vom Bahnhof und wir setzten unser Gespräch von gestern Abend weiter fort.
Sie passten dann auch auf meinen Rucksack auf während ich auf eine Aussichtsplattform stieg und die überwältigende Aussicht genoss.


Bergab lief es sich natürlich wesentlich einfacher! Ich kam durch etliche kleine Dörfer, viele Häuser saniert, einige jedoch überaus marode, aber immer mit freundlichen Menschen, die mich grüßten oder nach meinem Ziel fragten.


Hinter Melaune, da war ich schon über 20 Kilometer gelaufen, zog sich der Weg immer geradeaus kilometerlang auf der Straße hin, vorbei an einigen Windrädern. 


Jetzt weiß ich wenigstens, dass jedes Windrad einen Namen hat, z. B. Flotte Lotte oder - besonders nett -Drehbrumrum.
Auch Buchholz zog sich noch - gefühlte - 3 Kilometer an der Straße entlang, bis ich endlich vor meiner Unterkunft stand und freundlich von meiner Gastfamilie und einer kleinen weißen Katze begrüßt wurde.


Hier hatte ich jetzt ein ganzes Appartment für mich alleine und Familienanschluss gab es gleich dazu. Nach dem Duschen wurde ich zum Abendessen eingeladen, wo Eltern, Tante, Kinder und ein Enkelkind beieinander saßen. Es ging recht lebhaft zu und die älteste Tochter, die auch Pädagogik studiert, quetschte mich nach allen Regeln der Kunst aus, während ihre kleine Tochter (etwa ein halbes Jahr alt) immer wieder fast den Tisch abräumte oder unbedingt mein Essen wollte.
Als es etwas ruhiger wurde erzähte mir der Hausherr noch von einem Verein, den er mitbegründet hat, der in Tansania ein Krankenhaus gebaut hat und jetzt einheimische Ärzte ausbildet und dort anstellt. Danach zeigte er mir ein paar beeindruckende Bilder. 
Beim anschließenden Hofspaziergang entdeckte ich ein paar neugeborene Lämmer, eine trächtige Ziege und einige Kaninchen.
Ein weiteres Schaf hatte sich so im Zaun verheddert, dass ich schnell den Hausherrn holte, um es zu befreien. Und zum Schluss sprang mir eine kleine weiße Katze auf den Schoß, um es sich mindestens 20 Minuten schnurrend darauf gemütlich zu machen. Dass meine schwarze Hose danach aussah wie Sau muss ich sicherlich nicht erwähnen.
Als ich dann kurz mach neun wieder in "meine Wohnung" ging, um meinen Blog zu schreiben, bin ich dummerweise sofort auf dem Sofa eingeschlafen und erst nach 24 Uhr wieder aufgewacht, da hatte ich dann keine Lust mehr zum Schreiben!


Dienstag, 6. Mai 2014

Görlitz




So viel habe ich heute erlebt, dass ich kaum weiß, wo ich anfangen soll! Ich probiere es einfach mal in chronologischer Reihenfolge. 
Bereits beim Frühstück hat mich ein älterer Herr (mit Frau und zwei Töchtern, so in meinem Alter), aufgewachsen in Görlitz, ins Gespräch gezogen. Lustig war, dass er meine Antworten auf seine Fragen absolut nicht wahrgenommen hat, so dass sich ein recht einseitiges "Gespräch" entwickelt hat. Seine Töchter haben nur noch die Augen verdreht.
Um 10 Uhr habe ich mich dann einer Führung durch die Altstadt von Görlitz angeschlossen. So eine Führung steht und fällt ja mit dem Führer (darf man das so schreiben?) und da hatte ich heute wohl besonderes Glück. Frank Vater erwies sich nicht nur als ausgesprochener Kenner der Görlitzer Geschichte, der Görlitzer Häuser und Restaurants und manchen besonders ansprechenden Treppenaufgangs, er hatte  auch ein Buch über Görlitz alte Häuser geschrieben und hatte zudem und vor allem die Fähigkeit, die skurrilsten Geschichten und Vorschläge mit einem bierernsten Gesicht zu erzählen!
So forderte er uns auf, in jedes offene Fenster zu schauen, jede unverschlossene Tür zu öffnen um die Schätze Görlitz zu entdecken oder den Gastwirten zu erklären, wir planten eine Hochzeit (zur Not auch eine goldene) um von den Gastwirten die schönsten Zimmer gezeigt zu bekommen. 
Es war wirklich eine reine Freude ihm zuzuhören und manchmal musste ich mich sehr beherrschen, um nicht laut zu prusten (ist mir nicht immer gelungen). Auf solch unterhaltsame Weise habe ich selten so viel gelernt, vielleicht noch bei unserem Reiseleiter Lu in China, das war ein ähnlicher Typ.


So weiß ich jetzt, dass Görlitz in den vielen Kriegen und Scharmützeln nicht zerstört wurde, weil sie immer wieder bezahlt hat (als Stadt an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen und mit vielen Privilegien ausgestattet war sie sehr reich) oder weil sie ihr Fähnchen nach dem Wind hing (so wechselte die Stadt innerhalb weniger Jahre sechs mal die Konfession, das galt dann immer für die ganze Stadt).
Außerdem mahlen in Görlitz die Mühlen wohl etwas langsamer als anderswo, eine Entscheidung, die in weniger als 100 Jahren gefällt wird, gilt als hektisch, so erledigt sich manches Problem von selbst.
Da ich von der Führung so begeistert war beschloss ich, mir auch das Buch zu kaufen und sofort heim zu schicken. Fündig wurde ich im Tourist-Büro und fragte nach einem Laden, wo ich Briefmarken und einen großen Umschlag erstehen könne, ich wolle das Buch heim schicken, da ich zu Fuß unterwegs sei. Daraufhin entspann sich ein überaus nettes Gespräch, in dessen Verlauf ich den Eindruck hatte, die Dame würde am liebsten gleich mitlaufen.
Am Ende des Gesprächs lag mein Buch jedenfalls fertig verpackt, adressiert und mit Briefmarke versehen auf dem Postausgangskorb des Ladens.


Da auch das Rathaus einen Besuch lohnen sollte, führte mich mein nächster Weg dort hin. Besonders interessant fand ich den Paternoster, der aber leider nicht fuhr.


Kaum hatte ich dieses Foto gemacht sprach mich ein Mann, so etwa mein Alter, an, um mir genau die Funktionsweise eines Paternosters zu erklären. Als ich meinte, auch im Stuttgarter Rathaus gäbe es noch einen, strahlte er mich an, gab mir einen Kuss auf die Wange und fragte, ob er mich zu einem Kaffee einladen dürfe. Allerdings sei er nicht so schnell, er sei teilweise gelähmt. Leicht überrascht willigte ich ein. Als wir das Rathaus eben verlassen wollten, fuhr ein dicker Benz vor und mein Kavalier stellte mir den Oberbürgermeister von Görlitz vor. Nach einem kurzen "Shake - Hands" mit Herrn Deinege (wohl ähnlich überrascht wie ich) führte mich Markus (das wusste ich inzwischen) in ein nahe gelegenes Cafe. Dort erfuhr ich, dass er jeden Tag einige Stunden im Rathaus arbeitet und dass er ausgerechnet heute eine Reise nach Stuttgart vorbereitet hatte (er zeigte mir die Reiseplanung der DB als Beweis), deswegen seine Überraschung und Freude. Nach angeregter Plauderei verließ ich eine knappe Stunde später das Cafe und Markus, nicht ohne wiederum einiges Neue über Görlitz und auch den Stadtführer vom Morgen (Markus kannte wirklich Gott und die Welt) erfahren zu haben und mit einem weiteren freundlichen Küsschen verabschiedet worden zu sein!


Anschließend bummelte ich ein wenig durch die Neustadt, wo mir besonders die vielen leer stehenden Läden auffielen. Ich kletterte auf den Reichenbacher Turm und genoss die tolle Aussicht, besuchte das kulturhistorische Museum mit seiner wundervollen Sammlung alter Bücher  


und zum Schluss auch noch das schlesische Museum im Schönhof, das in einem - wie der Name schon sagt - wunderschönen Gebäude untergebracht ist.


Zufällig hatte ich am Morgen an der Peter - und Paulkirche gelesen, dass dort abends die Sonnenorgel demonstriert und erklärt werde und das wollte ich mir selbstverständlich auch nicht entgehen lassen. Hier traf ich meine beiden Pilger von gestern wieder und gemeinsam lauschten wir der beeindruckenden Vorführung.


Jetzt war dann aber genug mit Kultur, ich fand ein nettes Restaurant (von denen es hier etliche gibt) und durfte während meines sehr leckeren Abendessens den Streit eines Paares mitverfolgen, dass sich immer weiter in ein ernsthaftes Zerwürfnis hinein diskutierte.
So war dieser Tag wieder randvoll mit beeindruckenden und auch überraschenden Erlebnissen und von Görlitz bin ich restlos begeistert!


Montag, 5. Mai 2014

Fahrt nach Görlitz



Um kurz nach acht heute Morgen bin ich - ziemlich aufgeregt - zum zweiten Teil meiner Fußreise gestartet, mit einem günstigen "Quer-durchs-Land-Ticket" (dafür ohne reservierten Sitzplatz) und 
14 Kilogramm auf dem Rücken.
Die Fahrt von Winnenden nach Nürnberg war sehr gemütlich im fast leeren Abteil, so dass sich der Schaffner beinahe über mein Handyticket freute, das er wohl noch nicht so sehr oft gesehen hat.
Kritischer wurde es erst in Nürnberg, da hier bereits eine vollständige Schulklasse und etliche andere Reisende auf den Zug nach Dresden warteten. 
Ich hatte aber Glück, hatte schnell einen Sitzplatz und sogar noch Platz für meinen Rucksack. Dem hatte ich auch meinen Sitzplatz zu verdanken, mit Rucksack ist man einfach schneller und wendiger als mit Koffern.
So konnte ich dann auch die Fahrt durch die wechselnden Landschaften genießen, mal blühten riesige Rapsfelder neben den Schienen, mal ging es durch Wälder, an kleinen und großen Städten, neu renovierten oder total runter gekommenen Häusern vorbei und auch wieder an vielen Industriebrachen, die ich immer sehr interessant und malerisch finde.
Von Dresden nach Görlitz habe ich besonders gut aufgepasst, dort werde ich ja die nächsten Tage wieder zurück laufen. Landschaftlich erinnert mich die Gegend an die Hohenlohe, leicht hügelig, weite Felder, immer wieder ein Stück Wald oder einige Bauernhöfe dazwischen. 
In Görlitz sind mir beim Aussteigen gleich ein paar Reisende aufgefallen, die, ähnlich wie ich, auch mit einem recht großen Rucksack unterwegs waren, einige hatten sogar eine Jakobsmuschel daran befestigt.


Kurz nach dem Verlassen des Gebäudes hielten sie aber schon wieder an, weil keiner so recht wusste, wie man zur Jugendherberge käme. Ich wurde auch recht schnell als Pilger identifiziert (auch ohne Muschel) und konnte mit Hilfe meines Handys schnell weiterhelfen. Ein älteres Paar schloss sich mir an und wir unterhielten uns eine Weile recht nett über bereits gegangene Pilgerwege und Hape Kerkelings unsägliches Buch, das das Pilgern zum Massentourismus werden lassen hat - zumindest in Spanien. Da ich ja eine Unterkunft in einem preiswerten Hotel gebucht hatte, trennten sich unsere Wege bald.  Beim Verabschieden meinten sie dann, wir würden uns wohl nicht mehr unterwegs treffen, ich sei ja viel schneller als sie.
Meine Unterkunft sieht zwar von außen etwas runtergekommen aus, ist aber frisch renoviert. 
Ich habe ein großes Zimmer mit wunderbarem Blick auf die Neiße. 
Zwar einfach möbliert aber für ein paar Tage völlig ausreichend.
Schnell zog ich mich um und wollte mich noch ein wenig in Görlitz umschauen, vor allem hatte ich ziemlichen Hunger. 
Als ich dann neugierig an der Neiße vorbei bummelte, entdeckte ich auf polnischer Seite ein nettes Restaurant, mitten im wamen Licht der untergehenden Sonne.


Dort aß ich eine Forelle, sehr lecker. So lange die Sonne noch schien, konnte man es auch gut im Freien aushalten.
Kaum war sie jedoch weg, wurde es empfindlich kalt, vermutlich im einstelligen Bereich, so dass ich mir ernsthaft ein paar Handschuhe wünschte.
So fiel der anschließende Spaziergang durch Görlitz Altstadt recht  kurz aus. Erstaunlich war jedoch, dass außer mir so gut wie Niemand sonst unterwegs war.